Bayerische Blasmusik in China

Eine einwöchige Reise führte die Reisbacher Musikanten unter der Leitung von Johannes Graßl diesmal an die Ostküste Chinas mit Konzerten in Shanghai und Tongli.

Das „Tor zur Welt“, „Paris des Ostens“ oder die „Perle des Orients“. All diese Beinamen trägt die chinesische Stadt Shanghai völlig zu Recht und fasziniert mit seiner Vielfältigkeit die Besucher aus aller Welt. Auf der einen Seite stehen prächtige traditionelle Bauten. Auf der anderen Seite prägen über 3.500 Hochhäuser die Skyline von Shanghai, denn wo sonst sollten über 18 Millionen Menschen auf einer Fläche von knapp 4.000 km² untergebracht werden.

Bei einer ausführlichen Stadtbesichtigung durften die Musiker aus dem Vilstal sowohl die futuristische Hochhausarchitektur der Millionenstadt als auch die traditionelle chinesische Baukunst kennen lernen. Besonders beeindruckend war hier ein Besuch der buddhistischen Tempelanlage des Jing-Jang-Tempels sowie der historischen Altstadt Shanghais, die anlässlich der Expo im vorigen Jahr aufwendig renoviert wurde. Durchkreuzt wird diese gigantische Stadt vom Fluss Huangpu, an dessen Ufer sich der „Bund“, die Prachtstraße aus der französischen Kolonialzeit präsentiert. Vom Wasser aus konnten bei einer abendlichen Schiffsfahrt entlang des Huangpu die im Lichtermeer erstrahlenden Bauwerke aller Epochen in der „Perle des Orients“ bewundert werden.

Dass die bayerische Blasmusik in vielen Teilen der Welt sehr gerne gehört wird, ist bekannt. Dennoch war es für die Reisbacher Musikanten das erste musikalische Gastspiel in China, weshalb man sehr gespannt auf die Resonanz des chinesischen Publikums war. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Goethe-Institut durfte diese Erfahrung erstmals im Rahmen eines einstündigen Konzertes in einer großen Shopping-Mall im Zentrum Shanghais gemacht werden. Unter großem Medieninteresse wurde die Darbietung der Reisbacher Musikanten von vielen chinesischen Besuchern mit Begeisterung verfolgt. Eine große Überraschung für die Zuhörer war schließlich eine bayerische Version des chinesischen Volksliedes „Mo Li Hua“, in das spontan mit eingestimmt wurde und mit besonders großem Applaus bedacht wurde.

Bereits seit der chinesischen Kaiserzeit ist Shanghai die wichtigste Hafenstadt des Landes und hat sich bis heute zum größten Industriezentrum Chinas entwickelt. Auch sehr viele deutsche Unternehmen haben aufgrund dieser strategisch günstigen Lage hier ihre Niederlassungen gegründet. Entsprechend groß ist mit über 15.000 die Zahl der Deutschen, die in Shanghai leben. Seit 2002 gibt es deshalb für die Kinder dieser Familien eine Deutsche Schule, die mittlerweile zur weltweit größten deutschen Auslandsschule angewachsen ist. Den Höhepunkt des Schuljahresendes bildet dabei traditionell das große Sommerfest mit einem großen Rahmenprogramm, zu dem sich nicht nur die Schüler, sondern die gesamte deutschsprachige Gemeinde Shanghais einfindet. Als besondere Attraktion wurden dazu in diesem Jahr die Reisbacher Musikanten eingeladen. Bei deutschem Volksfestambiente mit Bierbänken und Brotzeiten sorgten die Musiker mit bayerischer Blasmusik für eine gemütliche, heimatliche Stimmung inmitten der chinesischen Metropole Shanghai. Einen besonderen Dank richteten am Ende des Gastspiels der Schulleiter der deutschen Schule sowie die Elternbeiratsvorsitzende an die Reisbacher Musikanten verbunden mit dem Wunsch auf eine mögliche Wiederholung in einem der kommenden Jahre.

Der zweite Teil der Reise führte die Reisbacher in die von Shanghai etwa zwei Fahrstunden entfernte Gartenstadt Suzhou. Obwohl hier über 2 Millionen Einwohnern leben, zählt sie für chinesische Verhältnisse zu den eher kleineren Städten. Für die niederbayerischen Musiker war diese Stadt – die fast doppelt so groß ist wie München – aber dennoch riesig. Einen sehr schönen Ausgleich zum hektischen Treiben in den Millionenstädten Shanghai und Suzhou bot deshalb ein Abstecher in das historische kleine Wasserstädtchen Tongli. Inmitten von fünf Seen gelegen ist die gesamte Stadt von zahlreichen Wasserkanälen durchzogen, an deren Ufer sich die traditionellen Kaufmannshäuser und Residenzen aus der Kaiserzeit reihen. Über 40 Brücken aus verschiedenen Dynastien führen über die Wasserstraßen, die sich mit Booten erkunden lassen. Die Ähnlichkeit zur Lagunenstadt Venedig beschert der historischen Wasserstadt täglich eine große Zahl an Touristen. Eine ganz besondere Ehre war es deshalb für die Reisbacher Musikanten, dass sie vom örtlichen Kulturbüro für ein Konzert auf der traditionellen Opernbühne eingeladen wurden. Viele Besucher trotzten dem regnerischen Wetter und fanden sich am Stadtplatz ein, um die bayerische Blasmusik der weit gereisten Gäste zu verfolgen. Spätestens nach der bayerischen Version des chinesischen Volksliedes „Mo Li Hua“ waren auch hier die Besucher von den Reisbacher Musikanten mehr als angetan. Als schließlich auch zwei chinesische Musiker die Bühne betraten und abwechselnd traditionelle chinesische und bayerische Musik dargeboten wurde, ist deutlich geworden, dass Musik die einzige Weltsprache ist, die nicht übersetzt werden muss und die Menschen verschiedener Kulturen trotz der großen Sprachbarrieren zusammenbringt.

Eine spontane Einladung eines chinesischen Geschäftsmannes zu einer Verlängerung der China-Reise mit weiteren Gastspielen in Peking mussten die Reisbacher Musikanten aus Termingründen leider ausschlagen. Aber möglicherweise kann dies in einem der nächsten Jahre nachgeholt werden, um dann weitere faszinierende Eindrücke im Reich der Mitte sammeln zu dürfen und ein kleines Stück Bayern nach China zu bringen.