Reisbacher Musikanten wieder in Indien

Dingolfinger Anzeiger / Landauer Zeitung im November 2007

Zum siebten Mal in Folge wurden die Reisbacher Musikanten unter der Leitung von Johannes Graßl zu bayerischen Oktoberfesten nach Indien eingeladen. Neben zwei großartigen Veranstaltungen in Bangalore waren die Reisbacher in diesem Jahr auch erstmals in der Hauptstadt Delhi zu Gast.

Für eine jährlich immer größer werdende Zahl von europäischen und indischen Gästen ist es ein lange ersehnter Termin: Das inzwischen traditionelle Oktoberfest  in Bangalore. Dank der großen Erfolge aus den letzten Jahren wurden die Reisbacher Musikanten dafür auch in diesem Jahr von den Organisatoren nach Indien geholt.  Das von Jahr zu Jahr gestiegene Interesse am wohl exotischsten Oktoberfest hat die Indo-German-Society, in deren Händen diese Veranstaltung liegt, allerdings vor ein Problem gestellt: Schon im vergangenen Jahr wurde der Saal des Hotel Taj Residency mit seinen 900 Plätzen zu klein, weshalb man sich heuer dazu entschieden hat, gleich an zwei Abenden ein Oktoberfest zu veranstalten, um der wachsenden Besucherzahl gerecht zu werden. Dieser Schritt wurde belohnt. Denn auch der zweite Abend des Oktoberfestes war restlos ausverkauft.  Routiniert dekorierte man dazu im Vorfeld den Ballsaal des Luxushotels in eine bayerische Festhalle mit einem weiß-blauen Farbenmeer. Eröffnet wurde die Veranstaltung – standesgemäß nach bayerischem Vorbild – mit dem Einmarsch der Blaskapelle und dem Anzapfen des ersten Fasses Bier. Da der Schirmherr der Veranstalung, Staatsminister Erwin Huber in diesem Jahr nicht persönlich anwesend sein konnte, lag diese Ehre heuer in den Händen des deutschen Generalkonsuls  Stefan Graf sowie des Vorsitzenden der Indo-German-Society Shri Haldar.

Die Reisbacher Musikanten mit Generalkonsul Stefan Gräf

Innerhalb kürzester Zeit fühlten sich die Besucher dank des originalgetreuen Ambientes und der stimmungsvollen bayerischen Musik der Reisbacher Musikanten wie in einem bayerischen Bierzelt und weniger wie in einem asiatischen Luxushotel. Ganz besonders überrascht von der tollen Atmosphäre auf dem Oktoberfest war eine Delegation der IHK Bayern, die mit einem Stand auf der zur selben Zeit stattfindenden Computermesse in Bangalore vertreten war und die heimatliche Stimmung auf dem bayerischen Volksfest sichtlich genoss.

Den vielen positiven Rückmeldungen an den beiden Abenden zufolge schätzten die Gäste der Oktoberfeste besonders die große Bandbreite des Repertoires der Reisbacher Musikanten. Von gemütlicher bayerischer Blasmusik über bayerische Stimmungsmusik bis hin zur Rockmusik am späten Abend kamen alle Besucher auf ihre Kosten. So verwunderte es nicht, dass die Reisbacher auch für das Jahr 2008 bereits wieder eine Einladung nach Indien erhalten haben.

Als besonderes Dankeschön für die tolle Stimmung auf dem Oktoberfest wurden die niederbayerischen Gäste in diesem Jahr zu einer zweitägigen Safari in den nahe gelegenen Nationalpark „Nagarhole“ eingeladen. Alleine eine Busfahrt durch das Land (6 Stunden für 200 km!) ist in Indien immer ein Erlebnis für sich. Zum einen ist hier die atemberaubend schöne Landschaft mit endlosen grünen Reisfeldern und Palmenhainen zu bewundern, andererseits wird aber auch das extreme Wohlstandsgefälle gegenüber der High-Tech Stadt Bangalore deutlich. Im Nationalpark entlang des Kabini-River erwartete die Reisbacher dann in einer wunderbaren Landschaft eine exotische Tierwelt mit Krokodilen, Affen, Rehen und Elefanten.

Nachdem die Reisbacher in den vergangenen Jahren bereits in die Metropolen Bombay und Kalkutta eingeladen waren, durften sich die bayerischen Musiker in diesem Jahr über ein weiteres Engagement in der indischen Hauptstadt Delhi freuen. In einem Hotel-Resort am Rande der Stadt luden erstmals die deutsche Spedition Schenker sowie die Lufthansa zu einem Oktoberfest ein. Unter freiem Himmel glich diese Veranstaltung dann aber doch eher einem großem Gartenfest, was allerdings der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Unweit der indischen Hauptstadt liegt die wohl bekannteste und am meisten besuchte Sehenswürdigkeit Indiens, das Taj Mahal. Auf Einladung der Organisatoren des Oktoberfestes in Delhi hatten die Reisbacher Musikanten die Möglichkeit, während ihrer Indienreise dieses Wahrzeichen des Landes in der Stadt Agra zu besuchen. Als ein Bauwerk der Liebe ließ der indische Kaiser Shah Jahan dieses architektonische Meisterwerk vor über 350 Jahren als Grabmal für seine Gattin errichten. Die Reisbacher durften diesen faszinierenden Bau bei Tagesanbruch bewundern, wobei die aufgehende Sonne den weißen Marmorbau aus dem Morgennebel heraus märchenhaft hell erleuchtete.  Wesentlich unbekannter, jedoch nicht weniger beeindruckend, war der Besuch der ehemaligen Burg- und Festungsanlage der indischen Kaiser in Agra. Im Inneren der zweieinhalb Kilometer langen Burgmauer befinden sich verschiedene Paläste, Moscheen und Höfe, die den Reichtum der ehemaligen Mogulkaiser erahnen lassen.   Im extremen Gegensatz zu dieser Schönheit des Taj Mahal und des Roten Forts sowie dem Reichtum vieler indischer Geschäftsleute in den Städten konnten sich die Reisbacher während der Fahrten durch das Land auch ein Bild über die Lebensbedingungen großer Teile der indischen Bevölkerung machen. In ärmlichen Behausungen und bei erschütternden hygienischen Verhältnissen geht der oft zitierte Wirtschaftsaufschwung Indiens an dieser Bevölkerungsschicht völlig vorbei. Angesichts dieser Bilder wissen die bayerischen Gäste den Wohlstand in ihrer Heimat nun umso mehr zu schätzen.   In den 10 Tagen ihrer Reise durch den indischen Subkontinent konnten die Reisbacher Musikanten auch im inzwischen siebten Jahr viele wertvolle neue Eindrücke und Erlebnisse sammeln und als Botschafter der bayerischen Blasmusik wieder einen Teil der bayerischen Lebensart nach Asien tragen.