Sonderbriefmarke zum Oktoberfest-Jubiläum

Die Reisbacher  Musikanten mit dem Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, Hartmut Koschyk,  bei der offiziellen Vorstellung der Sonderbriefmarke “200 Jahre Oktoberfest”

Den runden Geburtstag der Münchner Wiesn hat die Deutsche Post zum Anlass genommen,  die Sonderbriefmarke „200 Jahre Oktoberfest“ herauszugeben. Nach dem Entwurf eines Berliner Künstlers zeigt sie passend Münchner Figuren auf einem weiß-blauen Karussell. Der Staatssekretär des Bundesfinanzministeriums, Hartmut Koschyk, sowie der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon stellten diese Sonderbriefmarke kürzlich in einer Festveranstaltung mit Ehrengästen aus Kultur und Politik im Münchner Hofbräukeller vor. Für die musikalische Umrahmung wurden dazu die Reisbacher Musikanten eingeladen, um auch schon vor dem offiziellen Start der Jubiläums-Wiesn in einer Woche für eine stimmungsvolle, bayerische Oktoberfest-Musik zu sorgen.

Reisbacher Musikanten auf Malta

Dingolfinger Anzeiger / Landauer Zeitung im August 2005:

Auf Einladung der Count Roger Band aus Rabat verbrachten die Reisbacher Musikanten unter Leitung von Johannes Graßl eine Woche auf der Mittelmeerinsel Malta bei großartigen und herzlichen Gastgebern. Ein zweitägiges bayerisches Volksfest fand überwältigenden Anklang bei der einheimischen Bevölkerung.

Seit gut einem Jahr zählt auch der Mittelmeerstaat Malta zu den Mitgliedern der Europäischen Union. Mit einer Länge von 27 km und einer Breite von 15 km stellt die Insel Malta auf der Karte jedoch nur einen winzigen Punkt im Mittelmeer dar und ist deshalb relativ wenig bekannt. Umso reizvoller war es für die Reisbacher Musikanten, einen Kulturaustausch mit einem maltesischen Blasorchester zu initiieren.

Nachdem im September letzten Jahres bereits über 100 maltesische Musiker und deren Begleiter für eine Woche in Reisbach zu Gast waren, wurden die Reisbacher Musikanten nun in diesem Jahr auf die Mittelmeerinsel zu einem Gegenbesuch eingeladen. Neben 40 Musikern reisten auch 30 weitere Freunde und Bekannte des Blasorchesters mit nach Malta, die sich die hervorragende Möglichkeit, Land und Leute kennen zu lernen, nicht entgehen lassen wollten.

Ziel dieses Austausches zwischen den beiden Blasorchestern war es nicht, nebeneinander, sondern miteinander das jeweils andere Land und dessen Bevölkerung kennen zu lernen. Gleich am ersten Abend wurden deshalb alle Gäste und beteiligten Organisatoren vom Hauptorganisator und Sponsor Tony Fenech, einem maltesischem Geschäftsmann, zu einer überwältigenden Willkommensfeier in ein altes Adelshaus eingeladen. Schon hier konnten die niederbayerischen Gäste die Offenheit und Herzlichkeit der Gastgeber erleben, die sich während des gesamten Aufenthaltes fortsetzte.

Der musikalische Höhepunkt der Reise war zweifellos die Gestaltung eines original bayerischen Volksfestes in der Stadt Rabat, dem Heimatort der Count Roger Band.

Während ihres letztjährigen Aufenthaltes in Reisbach waren die maltesischen Gastgeber nämlich derart von der bayerischen Lebensart begeistert, dass sie nun in diesem Jahr auch auf Malta ein großes bayerisches Volksfest veranstalten wollten, um auch der gesamten Bevölkerung der Stadt Rabat die Möglichkeit zu geben, einen Teil der bayerischen Kultur kennen zu lernen. Damit das Fest so originalgetreu wie möglich war, wurde eigens die Festwirtsfamilie des Dingolfinger Kirta, Familie Beck vom Gasthof Räucherhansl, engagiert um für das leibliche Wohl der Gäste während des zweitägigen Festes zu sorgen.

Eröffnet wurde dieses für Malta ungewohnte Spektakel mit einem Festzug der beiden Blasorchester durch die Gassen der Stadt hin zum Stadtplatz, auf dem ein bayerisches Festzelt aufgebaut war. Über 2000 Gäste waren an den beiden Tagen von dieser Idee, ein bayerisches Volksfest zu veranstalten, begeistert. Den Besuchern wurde dabei von den Musikanten aus dem Vilstal mit bayerischer Blasmusik, Schuhplattlern, Alphorn bis hin zu moderner Stimmungsmusik die gesamte Bandbreite ihres Repertoires dargeboten. Neben den Reisbacher Musikanten wurde für dieses Fest auch die amerikanische Sängerin Dorothea Lorene engagiert, die verschiedene Shows in Las Vegas und Berlin bestreitet. Das großartige Echo der Besucher auf dieses bayerische Volksfest veranlasste die Organisatoren, die Reisbacher Musikanten bereits für das kommende Jahr wieder nach Malta einzuladen und vielleicht zu einer regelmäßigen Einrichtung reifen zu lassen.

Nachdem nun die Reisbacher während des zweitägigen Festes einen Teil ihrer bayerischen Kultur vorgestellt haben, war reichlich Gelegenheit, um auch die vielfältige und äußerst reiche maltesische Kultur kennen zu lernen.

Knapp 100 km südlich von Sizilien und 200 km nördlich von Afrika liegt die Republik Malta im Mittelmeer zwischen Europa und Afrika. Entsprechend abwechslungsreich war auch die Geschichte Maltas, bei der jede Zeit ihre Spuren hinterließ.

Die wohl bis heute für Malta prägendsten Herrscher waren sicherlich die Kreuzritter des Johanniterordens, die 1530 nach Malta kamen und über 270 Jahre auf der Insel herrschten. Aufgrund ihrer neuen Heimat auf der Insel Malta sind die Mitglieder dieses Ordens heute mehr als “Malteser” denn als “Johanniter” bekannt. Während dieser Herrschaft der Johanniter erlebte Malta seinen kulturellen Höhepunkt, wovon Valletta, eine planmäßig angelegte Festungsstadt und heutige Hauptstadt Maltas, ein eindrucksvolles Zeugnis abgibt. Die ehemalige Residenzstadt der Johanniter ist ein einziges bewohntes Freilichtmuseum, das von den mächtigsten Befestigungsanlagen der Welt umgeben ist.

Besonders stolz waren die Gastgeber der Count Roger Band, den Gästen aus Niederbayern die Grotte des Heiligen Paulus zeigen zu können, die sich in ihrer Heimatstadt Rabat befindet. Der Legende zufolge erlitt dessen Schiff bei der Überfahrt von Griechenland nach Italien einen Schiffbruch weshalb Paulus drei Monate auf der Insel verweilte. Äußerst beeindruckend war für die Musiker auch die Besichtigung der Katakomben der Stadt Rabat, in denen in den frühchristlichen Zeit die Bestattungen stattfanden. Diese unterirdischen Grabanlagen wurden in den weichen Kalkstein gehauen und verlaufen in einem Gewirr unterhalb der heutigen Stadt.

Aufgrund des sehr begrenzten Raumes auf der Insel und der dennoch fast 400.000 Bewohner ist Malta das Land mit der drittgrößten Bevölkerungsdichte der Erde. Ein Großteil der Insel besteht demzufolge aus Siedlungen, weshalb die bayerischen Gäste oft den Eindruck hatten, sich in einer einzigen großen Stadt zu befinden. Umso abwechslungsreicher war deshalb für die Reisbacher ein Tagesausflug auf die ebenfalls zur Republik Malta gehörige Nachbarinsel Gozo. Im Gegensatz zur Hauptinsel Malta beeindruckt Gozo weniger durch seine kulturellen Sehenswürdigkeiten als vielmehr durch seine grüne, von Agrarwirtschaft geprägte Landschaft mit Steilküsten und dazwischenliegenden Buchten. Da diese Nachbarinsel nur 6 km von Malta entfernt ist, leben auch hier einige Musiker der Count Roger Band, für die es eine Selbstverständlichkeit war, die Gäste aus Bayern auf ihrer Heimatinsel zu begrüßen.